Pflege

Reichhaltige Pflege für die Haut

Besondere Bedürfnisse brauchen besondere Pflege: Ob trockene, reife oder beanspruchte Haut – hier reicht eine normale Feuchtigkeitspflege oftmals nicht mehr aus. Nährende und schützende Produkte mit reichhaltigen Texturen müssen her. Unsere Expertinnen Petra Liekfeld, Fachapothekerin und Expertin von Boots Laboratories, und Dr. Sabine Zenker, selbständige Dermatologin aus München mit dem Schwerpunkt Ästhetische Dermatologie, erklären, was es bei der Pflege von reifer, trockener Haut zu beachten gilt.

Zeiten ändern sich – Haut auch
Im Laufe des Lebens verändert sich die Haut. Das geschieht beispielsweise durch psychische Belastungen, bei hormonellen Störungen oder durch den natürlichen Alterungsprozess. Die Ursache ist eine veränderte Talgproduktion. Trockene Haut ist das bekannteste Symptom reifer Haut. Etwa die Hälfte aller 50- bis 70-Jährigen leidet unter diesem Hautzustand, der auch – leider wenig schmeichelhaft – als „Altershaut“ bezeichnet wird. Aber auch die sog. „reife Haut ist kein kosmetisch dermatologisch exakt definierter Begriff“, erläutert Petra Liekfeld.

Pflegefall trockene Haut
Warum wird die Haut mit zunehmendem Alter immer trockener? Dr. Sabine Zenker erklärt den Grund: „Weil alternde Haut typischerweise weniger Talgproduktion generiert, weil sie in der Regel dünner und verletzlicher wird und sich weniger gut regenerieren kann.“ „Da weniger Elastine und kollagene Fasern und weniger Hyaluronsäure produziert werden“, so Petra Liekfeld, „lassen Wasserbindungsvermögen, Spannkraft und Festigkeit nach. Statt niedlicher Sommersprossen entwickeln sich störende Pigmentveränderungen in Form von Altersflecken.“ Reife Haut hat andere Bedürfnisse als eine Haut mit 25 oder 30. Petra Liekfeld beschreibt den Zustand so: „Die Haut benötigt ein „Mehr“ an Pflege, das sinnvollerweise auf die aktuelle Hautsituation abgestimmt sein sollte.“ Dr. Sabine Zenker weist darauf hin, dass „Pflegesünden“ nicht mehr ohne Folgen bleiben und oftmals deutlich sichtbar quittiert werden: „Die Haut reagiert schneller mit Rötung, Reizung oder Juckreiz. Sie hat mehr Feuchtigkeitsbedarf und vielleicht auch schon spezifischere Merkmale, wie zum Beispiel Falten oder Flecken, die spezielle Wirkstoffe erfordern.“

Die richtige Gesichtspflege für reife Haut – die Reinigung 
Reife Haut sollte mit parfum- und konservierungsstofffreien Produkten und möglichst niedrigem pH-Wert (etwa 5,5 bis 5,9) gereinigt werden, da diese ihren ohnehin schon angegriffenen Säureschutzmantel nicht noch zusätzlich strapazieren. Ideal sind Reinigungscreme und –milch mit einem höheren Lipidanteil, der die Haut schon während der Reinigung vor dem Austrocknen bewahrt. Besonders wichtig: Starkes Rubbeln unbedingt vermeiden! Bei der Verwendung von Gesichtswassern auf alkoholfreie Produkte umsteigen.

Augenpflege
Die Haut um die Augen ist besonders dünn und besitzt kaum Talgdrüsen. Durch die hohe Beanspruchung können hier schnell Falten entstehen. Auch ist dieser Bereich oft sehr empfindlich, weshalb Dr. Sabine Zenker dazu rät, möglichst verträgliche Produkte einzusetzen: „Im Augenbereich immer parfum-, duftstoff-, konservierungsstoff-ARM oder am besten –LOS, um Sensibilisierungen, die in einer Allergie enden können, schon von Anfang an zu vermeiden. Leichte Texturen, die schnell einziehen und keinen Film auf die Augen legen, sind zu empfehlen.“ „Je nach Hautbedürfnis werden Produkte mit Falten mindernden, entstauenden oder regenerierenden Eigenschaften eingesetzt“, erklärt Liekfeld. Einfach morgens und abends die Augencreme sanft einklopfen. Dadurch werden Trockenheitsfältchen optisch sofort geglättet und der Bildung neuer Falten vorgebeugt.

Lippenpflege
„Für die Lippen gerne stark rückfettende Texturen verwenden, sie brauchen die Pflege von außen ganz besonders, da die Lippen keine Talgdrüsen haben, um sich selbst optimal zu versorgen“, empfiehlt Dr. Sabine Zenker.

Pflege für Hals und Décolleté 
Petra Liekfeld rät dazu, das Eincremen von Hals und Décolleté schon frühzeitig in die tägliche Pflegeroutine zu integrieren: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass bereits in jungen Jahren eine Pflege niemals am Kinn enden, sondern Hals und Dekolleté stets mitberücksichtigt werden sollten.“ Auch Dr. Sabine Zenker hat hier einen großen Handlungsbedarf erkannt: „Dieses Areal wird – besonders von deutschen Frauen – gerne vernachlässigt: Viel Extra-Feuchtigkeit und gerade für das Décolleté immer Pigmentschutz, LSF und kein Parfum.“ Im Sommer sollte man zudem niemals auf ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor für Gesicht und Körper verzichten, denn nach wie vor ist UV-Strahlung die Hautalterungsursache Nr. 1.

Gesichtspflege 
Doppelt hält besser: Zumindest in der Gesichtspflege bewahrheitet sich dieser Spruch. Pflege im Schichtdienst leisten dabei Tagescremes, die – wie ihr Name schon verrät – der Pflege und dem Schutz der Haut tagsüber dienen, und Nachtcremes, die Regenerationsprozesse in der Nacht ankurbeln. Zudem sollten sie auf die individuellen Bedürfnisse angeglichen werden: „Eine Pflege sollte versuchen, die tatsächlichen Mangelerscheinungen auszugleichen und gegen störende Erscheinungen wie z.B. Altersflecken eingreifen können“, stellt Petra Liekfeld fest. Zudem empfiehlt sie, sich bei der Gesichtspflege nicht nur auf eine Produktart zu beschränken: „Sehr gut eignet sich auch die Kombination von Seren oder hochwertigen Ölen als Unterlage zu einer passenden Pflegecreme.“

Kosmetische Wirkwunder gegen die Zeichen der Zeit?
Beide Expertinnen weisen nachdrücklich darauf hin, bei den entsprechenden Produkten auf die enthaltenen Wirkstoffe zu achten. Petra Liekfeld: „Es werden oftmals regenerierende Wirkstoffe eingearbeitet, die reduzierte Zellfunktionen wieder anregen und die Stoffwechselvorgänge in der Haut aktivieren. Häufig orientieren sich die Wirkstoffe an körpereigenen Vorgängen wie z. B. der Wundheilung. So können z.B. durch die Aktivierung von Reparaturmechanismen nachweislich vermehrt Hyaluronsäure, elastine sowie kollagene Fasern gebildet und die Haut von innen heraus wieder aufgebaut werden.“ Die effektivsten Wirkstoffe in der Anti-Aging-Pflege und der Pflege trockener Haut sind Hyaluronsäure, Collagen, Glycerin, Vitamin A, C und E, Ceramide, Panthenol, Q10 oder auch Soja.

Körperpflege
Sowohl für Duschen wie auch Baden gilt: Heißes Wasser meiden, da es die Haut zusätzlich austrocknet. Rückfettende Substanzen in Seifen, Ölbädern und ölhaltigen Duschgelen hinterlassen einen angenehm pflegenden Film, glätten die Haut und sorgen dafür, dass Spannungsgefühle abnehmen. Sehr ratsam ist auch, das Eincremen nach der Reinigung in die Körperpflege einzubinden. Eine Creme mit hohem Lipidgehalt führt der Haut Fette zu und versorgt sie zudem mit Feuchtigkeit. Viele Reinigungs- und Pflegeprodukte verfügen darüber hinaus über juckreizstillende und hautberuhigende Stoffe und sind damit ideal auf die Bedürfnisse reifer, trockener Haut abgestimmt. Die Haut an den Händen unterscheidet sich vom Rest der Körperhaut und wird permanent beansprucht. Sie besitzt wenig Talgdrüsen und kaum Unterhautfettgewebe, so dass sich die Hände oftmals trocken und rau anfühlen können. Neben dem Eincremen nach jedem Händewaschen ist auch die Verwendung von Gummihandschuhen im Umgang mit hautreizenden Stoffen empfehlenswert – nur so sind die Hände ideal geschützt.

Extra-Tipps
Die Haut ist nicht nur Spiegelbild der Seele, sondern auch der individuellen Lebensführung. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, durch die dem Körper alle wichtigen Nähr- und Vitalstoffe zugeführt werden, ist nach wie vor eines der einfachsten Beauty-Geheimnisse für schöne Haut. Dabei sollte der Konsum von Genussmitteln wie Zigaretten oder Alkohol möglichst vermieden werden. Außerdem sollte man darauf achten, über den Tag verteilt ausreichend viel zu trinken. Wissenschaftler der Berliner Charité fanden heraus, dass schon ein halber Liter Wasser die Durchblutung der Haut verbessert und ihren Stoffwechsel aktiviert. Dadurch werden die Schutz- und Abwehrfunktion der Haut unterstützt, was sich langfristig in einem frischeren Aussehen der Haut bemerkbar macht. Viel Bewegung in der Natur und Sport sind ebenfalls altbekannte wahre Jungbrunnen.

Pro-Using statt Anti-Aging
„Falten zeigen nur den Platz, wo ein Lächeln gestanden hat.“ So hat es einmal der amerikanische Schriftsteller Mark Twain (1835 – 1910) ausgedrückt. Doch in der heutigen Zeit, in der Anti-Aging, Facelifting und Botox zum täglichen Geschäft in Kosmetiksalons und beim Facharzt gehören, ist es längst nicht mehr so einfach, sein „wahres Gesicht“ zu zeigen. Früher oder später wird aber jeder zu der Einsicht kommen, dass Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Natürlichkeit die wohl wirkungsvollsten Beauty-Maßnahmen sind, um dem dominanten Negativbild des Alterns entgegenzutreten.

Text: beautypress.de
Bild: La Roche-Posay

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